Bei der Aphasie im Alter liegt der eigentliche Auslandsschaden nicht in der Sprache allein, sondern in einem Missverständnis. Eine Aphasie sieht für Außenstehende oft so aus wie das, was man mit „er wird alt und verwirrt“ verbindet. Wer den Menschen vorher gekannt hat, weiß es besser. Wer ihn nicht kennt — und seine Sprache nie gehört hat —, weiß es nicht.
Genau das ist die Lage im Ausland. Die Pflegekraft in der Residenz, die Ärztin in der fremdsprachigen Klinik, das Personal im Heim: Sie hatten nie Zugang zu seinem Deutsch. Sie können nicht unterscheiden, ob er das deutsche Wort nicht findet oder ob er nicht mehr weiß, wo er ist. Für sie klingt beides gleich. Und so wird der ältere deutschsprachige Mensch mit einer Aphasie im Ausland doppelt abgeschrieben: einmal als alt, einmal als geistig abwesend. Man spricht über ihn, nicht mehr mit ihm.
Die Folgen sind schwer. Wo man jemanden für verwirrt hält, veranlasst niemand eine Sprachtherapie — man hält sie für sinnlos. Wo man über jemanden hinweg entscheidet, verliert er das Letzte, was ihm geblieben ist: als der wahrgenommen zu werden, der er ist. Und er bleibt allein mit der einen Sprache, die sein Gehirn nach der Schädigung noch am zuverlässigsten sucht — seiner Muttersprache. Aphasie-Therapie baut Sprache in der Sprache wieder auf, die geübt wird; für einen deutschen Menschen heißt das: auf Deutsch. Doch ringsum spricht sie niemand mit ihm.
Deshalb braucht es hier zweierlei zugleich, und beides auf Deutsch: jemanden, der den intakten Menschen hinter der Sprachstörung erkennt und das der Familie wie der fremdsprachigen Pflege verständlich macht — und jemanden, der geduldig das Deutsch wieder aufbaut, Wort für Wort, auf das sein Gehirn verdrahtet ist. Das ist keine Frage des Komforts. Es entscheidet darüber, ob ein Mensch in seinen letzten Jahren gehört wird oder verstummt. Genau dafür gibt es Von Heimar — an der Seite der Ärzte vor Ort, nicht an ihrer Stelle.