Ein Kind mit AVWS versteht Sprache im Lärm schlecht und verarbeitet Gehörtes mühsam. Die fremdsprachige Schule im Ausland ist dafür die denkbar schwerste Umgebung: laut, schnell, voller ungewohnter Laute, und vieles läuft rein mündlich. Genau das, was ein AVWS-Kind am meisten überfordert, kommt dort geballt zusammen — das Kind sitzt im Unterricht wie unter Wasser.
Und zugleich ist diese Schule die perfekte Tarnung. Denn wenn ein deutsches Kind im Ausland dem Unterricht nicht folgt, mündliche Aufträge verpasst, beim Lesen und Schreiben hängt, gibt es eine Erklärung, die allen sofort einleuchtet: „Er lernt halt noch die Landessprache." Diese Erklärung ist bequem — und sie kann eine dahinterliegende Verarbeitungsschwäche jahrelang verdecken.
Dabei übersieht sie zwei Dinge. Erstens zeigt sich ein Verarbeitungsproblem in jeder Sprache, auch im Deutschen — ein Kind, das nur die Zweitsprache noch nicht beherrscht, versteht in seiner starken Sprache mühelos; ein Kind mit AVWS tut sich auch dort schwer, sobald es laut wird. Zweitens erschwert eine AVWS sogar den Erwerb der Fremdsprache selbst: Der Rückstand in der Landessprache kann also Folge der Störung sein, nicht bloß eine Anfangsphase, die sich von allein gibt.
Ausgerechnet im Deutschen ließe sich am klarsten sehen, was wirklich los ist — ob hinter dem Schulproblem eine Verarbeitungsschwäche steckt oder „nur" die noch junge Zweitsprache. Und im Deutschen, auf sicherem Boden, ließen sich Hörverarbeitung und Schriftsprache am besten aufbauen. Genau hier setzt Von Heimar an: Wir schauen auf Deutsch über beide Sprachen, trennen die Sprachfrage von einer möglichen Verarbeitungsschwäche, weisen den Weg zur richtigen ärztlichen Abklärung und bringen Eltern und, mit Ihrem Einverständnis, die fremdsprachige Schule zu den Anpassungen, die wirklich helfen. An der Seite der Ärzte und der Schule, nicht an ihrer Stelle.