Weil bei der Dysarthrie die Sprache selbst unversehrt ist, könnte man meinen, die Sprache der Therapie sei zweitrangig — Muskeltraining ist doch Muskeltraining. Das stimmt nicht. Denn das Ziel der Therapie ist nicht irgendein Sprechen, sondern verstanden zu werden. Und Verständlichkeit ist an eine Sprache gebunden.
Man trainiert die Genauigkeit der Laute einer bestimmten Sprache, ihre Lautstärke, ihre Melodie, ihren Rhythmus. Man übt, für die Ohren dieser Sprache klar zu klingen. Ob ein „ch“ deutlich genug ist, ob die Betonung stimmt, ob der Satz verständlich ankommt — das beurteilt nur, wer diese Sprache als Muttersprache hört. Für Ihren Angehörigen heißt das: Um im Deutschen wieder verständlich zu werden — für seinen Partner, seine Familie, in der Sprache, in der sein Leben stattfindet —, muss auf Deutsch geübt werden, mit einem deutschen Ohr und deutschen Gesprächspartnern. Eine Logopädin in Genf, London oder Dubai kann die deutsche Verständlichkeit weder beurteilen noch trainieren, und die etablierten intensiven Programme setzen eine deutschsprachige Fachkraft voraus.
Dazu kommt das, was dieses Störungsbild von den meisten anderen unterscheidet: die Zeit. Eine Dysarthrie nach einem Schlaganfall braucht frühe, intensive Arbeit — und danach oft eine lange Fortführung, die im Ausland an der Sprachgrenze abreißt. Eine Dysarthrie bei Parkinson, MS oder ALS aber ist keine Episode, sondern eine Wegstrecke über Jahre: Die Erkrankung verändert sich, und die Behandlung muss mitgehen — mal erhalten, mal nachsteuern, mal Strategien für eine neue Phase finden. Das verlangt eine kontinuierliche deutschsprachige Begleitung, die es am Wohnort schlicht nicht gibt. Bestenfalls eine einmalige Beratung in der falschen Sprache.
Und darunter liegt die bitterste Schicht. Wenn die Stimme leiser wird und das Sprechen schwerer, zieht sich ein Mensch zurück. Lebt er im Ausland, ist er ohnehin schon von einer fremden Sprache umgeben — und verliert nun auch noch die Verständlichkeit in der einen Sprache, in der er ganz er selbst war. Aus der sprachlichen Fremde wird eine doppelte Stille. Genau diese letzte Verbindung auf Deutsch offenzuhalten, ist der Grund, warum Von Heimar existiert.