Bei der Schluckstörung im Alter liegt der Auslandsnachteil an einer besonderen Stelle. Anders als nach einem plötzlichen Schlaganfall gibt es hier oft nicht das eine Ereignis, das alle aufhorchen lässt. Es schleicht sich ein: ein bisschen mehr Husten, ein bisschen langsamer, ein bisschen weniger. Und weil es leise kommt und weil man es dem Alter zuschreibt, schaut lange niemand genau hin.
Genau in dieser Phase geschieht etwas Zweites. Die Versorgung des alten Menschen wird nach und nach an andere übergeben: an eine Seniorenresidenz an der Costa del Sol, an eine Pflegekraft in Dubai, an eine Einrichtung am Genfersee. Das Personal ist oft freundlich und kompetent — aber es spricht meist nicht Deutsch, kennt die Lebensgeschichte nicht und bemerkt die feinen Zeichen nicht, die eine Tochter sofort sähe. Und die Familie, die diese Zeichen kennen würde, sitzt nicht mehr am Tisch. Sie telefoniert, sie besucht, sie organisiert — aus einem anderen Land.
So entsteht die Lücke. Der Esstisch ist das eine Setting, an dem eine Schluckstörung im Alter auffallen und Tag für Tag sicher gemanagt werden müsste: die richtige Konsistenz, aufrecht sitzen, kleine Bissen, in Ruhe, nie gehetzt, nie allein, die Mundpflege danach, die Tabletten sicher gegeben, die Warnzeichen erkannt. Das alles findet dort statt, wo der alte Mensch isst — und dort sitzen Menschen, die die Sprache und die Vorgeschichte nicht teilen, während die, die beides kennen, weit weg sind. Bei einem Bild, bei dem ein Fehler zur Lungenentzündung führen kann, ist das keine Kleinigkeit.
Und über allem liegt die stille Aspiration, die keine Warnung gibt und im Alter besonders häufig ist. Ohne jemanden, der regelmäßig, aufmerksam und auf Deutsch hinschaut, bleibt sie oft unerkannt, bis eine Lungenentzündung sie ans Licht bringt — die dritte, vierte in einem Jahr, ohne dass jemand die Verbindung zum Schlucken zieht. Genau diesen aufmerksamen, deutschsprachigen Blick über die Distanz offenzuhalten — die Familie und den alten Menschen anzuleiten, der fremdsprachigen Pflege einfache, klare Abläufe zu übergeben, und das Ganze mit den Ärzten vor Ort zu verbinden —, ist der Grund, warum Von Heimar existiert. An der Seite der Menschen vor Ort, nicht an ihrer Stelle.