Wenn ein deutsches Kind im Ausland spät spricht, hören die Eltern fast immer denselben Satz — von Großeltern, anderen Auswandererfamilien, manchmal sogar von Fachleuten: „Das ist doch nur die Zweisprachigkeit, das kommt noch." Der Satz beruhigt. Und er ist der Grund, warum bei mehrsprachigen Kindern echte Schwierigkeiten oft viel zu spät erkannt werden.
Denn er ist gleich doppelt falsch. Zum einen macht Mehrsprachigkeit Kinder nicht zu späten Sprechern — sie ist keine Ursache für eine Verzögerung. Wer also mit „ist ja zweisprachig" abwartet, verliert womöglich genau die Zeit, in der frühe Unterstützung am meisten bewirkt; Studien zeigen, dass mehrsprachige Kinder deshalb deutlich später Hilfe bekommen. Zum anderen folgt aus dem Satz oft ein gut gemeinter, aber falscher Rat: „Dann lasst doch erst mal das Deutsch weg und konzentriert euch auf die Landessprache." Eine Sprache zu streichen hilft nachweislich nicht — weder der Sprachentwicklung noch dem Kind.
Und hier schließt sich die bittere Klammer. Ausgerechnet das Deutsch, das die Familie am meisten halten möchte — als Bindung zwischen Eltern und Kind, als Weg zu den Großeltern, oft mit Blick auf eine spätere Schule oder Rückkehr —, bekommt im fremdsprachigen Alltag ohnehin den geringsten Input. Ringsum wird eine andere Sprache gesprochen, in der Kita, auf dem Spielplatz. Wenn dann noch „lasst das Deutsch weg" dazukommt, wird das Fundament, das das Kind am dringendsten braucht, aktiv geschwächt.
Was eine Familie im Ausland deshalb braucht, ist niemand, der beruhigt oder beschuldigt, sondern jemand, der genau hinschaut — über beide Sprachen, auf Deutsch. Der ein normales zweisprachiges Muster von einer echten Verzögerung unterscheidet. Der die Mehrsprachigkeit nicht abschafft, sondern das Deutsch stärkt, das die Umgebung nicht trägt. Und der die Eltern zu den besten Sprachvorbildern macht, die ihr Kind haben kann. Genau dafür gibt es Von Heimar — an der Seite der Ärzte, nicht an ihrer Stelle.