Poltern ist eine Störung des Redeflusses. Betroffene sprechen zu schnell oder in einem stark schwankenden Tempo, und dabei geraten Laute, Silben und Wörter durcheinander: Sie werden verschluckt, verschmolzen oder umgestellt, aus „zum Beispiel" wird „Zeispiel". Dazu kommen Wiederholungen, Satzabbrüche, Füllwörter und oft eine unklare Struktur des Gesagten. Das Ergebnis ist, dass die Zuhörer immer wieder nachfragen müssen — bis hin zur Unverständlichkeit.
Wichtig ist, was Poltern nicht ist. Es ist keine psychische Störung, kein Zeichen mangelnder Intelligenz und keine Schlampigkeit. Die Gedanken sind da, oft sogar schnell und lebhaft — nur das Sprechen kommt ihnen nicht geordnet hinterher. Man beschreibt es manchmal so: Der Kopf ist dem Mund voraus, und die Wörter drängeln sich, überholen einander, verlieren dabei Laute und Ordnung. Die genaue Ursache ist nicht abschließend geklärt; Poltern tritt familiär gehäuft auf, Jungen sind häufiger betroffen. Eltern sind nicht schuld, und das Kind ist nicht „zu faul, sich Mühe zu geben".
Die Folgen liegen weniger im Sprechen selbst als in dem, was es auslöst. Ein Kind, das ständig um Wiederholung gebeten wird, ohne zu verstehen warum, zieht daraus schnell den falschen Schluss — dass es „komisch redet" oder nicht mithalten kann. Manche melden sich seltener, andere reden erst recht schneller, um es hinter sich zu bringen. Dabei ist die eigentliche Botschaft fast immer klug und lebendig; sie kommt nur nicht an.
Ein Merkmal ist so typisch, dass es Poltern von anderem unterscheidet: Die meisten polternden Menschen nehmen ihre eigene Unklarheit kaum wahr. Ihnen fehlt das Gespür dafür, dass die anderen sie nicht verstehen. Genau das macht Poltern so leicht zu übersehen — und im Ausland fast unsichtbar.