Bei diesem Störungsbild liegt der Auslandsnachteil an einer überraschenden Stelle.
Stottern ist — anders als eine Aussprachefrage — nicht an eine Sprache gebunden. Es sitzt in der Sprechplanung des Gehirns, nicht im Deutschen oder im Englischen, und zeigt sich in allen Sprachen des Kindes. Man könnte also meinen, eine Logopädin vor Ort könne genauso gut helfen. Das Gegenteil ist der Fall.
Die wirksamste Behandlung für stotternde Vorschulkinder findet nämlich nicht in der Therapiestunde statt, sondern bei Ihnen zu Hause — und Sie führen sie durch. In dem Verfahren, das die Leitlinien für dieses Alter empfehlen, dem Lidcombe-Programm, werden die Eltern zu Co-Therapeuten: Sie begleiten das Kind täglich für ein paar Minuten durch ganz normale Gespräche und geben in einem feinen Zeitfenster die richtige Rückmeldung. Die Therapeutin sieht das einmal pro Woche, justiert nach, zeigt, korrigiert, ermutigt. Das Kind wird flüssiger — nicht durch Übungstexte, sondern durch die alltägliche Sprache mit Ihnen.
Diese alltägliche Sprache ist bei Ihrer Familie Deutsch. Und genau hier scheitert die Versorgung vor Ort: Eine Logopädin, die auf Englisch, Französisch oder Arabisch arbeitet, kann Ihre deutschen Gespräche mit dem Kind nicht hören, nicht bewerten, nicht anleiten. Sie kann Ihnen nicht zeigen, wann im deutschen Satz die Rückmeldung fällt, ob Ihr Lob im richtigen Moment kommt, wie flüssig Ihr Kind auf Deutsch heute war.
Das Werkzeug dieser Therapie sind Sie — und das Werkzeug funktioniert auf Deutsch.
Dazu kommt die Zeit. Etwa drei von vier Kindern überwinden das Stottern, meist im ersten Jahr — aber die Chance sinkt mit jedem Monat, den es dauert. Wer im Ausland auf eine deutsche Lösung wartet, die es am Wohnort nie geben wird, lässt genau die Monate verstreichen, in denen eine Therapie am meisten bewirkt. „Abwarten" ist dort nicht eine Entscheidung — es ist der Zustand, der eintritt, weil niemand da ist.
Das Zeitfenster schließt sich, während Sie warten.
Das ist der Grund, warum Von Heimar existiert.